| Ob Fernbeziehungen funktionieren oder nicht, darüber kann man sicher streiten. Dass es klappen kann, zeigt die Geschichte von Solea. Weit entfernt von ihrer US-amerikanischen Heimat beginnt die Solea-Story irgendwann Mitte der Neunziger in Berlin, wo sich Garrett Klahn (voc., git.) und Sergie Loobkoff (git.) das erste Mal über den Weg laufen, als ihre Bands Texas Is The Reason und Samiam zusammen touren. Während der gemeinsamen fünf Wochen on the road freunden sich die beiden schnell an und stellen fest, dass sie einiges mehr gemeinsam haben, als mit ihren jeweiligen Bandkollegen. Kurz nach ihrer Rückkehr in die Staaten geht Texas Is The Reason in die ewigen Jagdgründe ein, und Klahn gründet an der Ostküste die New Rising Sons. Auf der anderen Seite des Kontinents betreibt Loobkoff neben Samiam noch die Band Knapsack. Unzufrieden mit ihrem musikalischen Output legen die zwei bald sowohl Knapsack als auch die New Rising Sons ad acta. Da sie immer noch in Kontakt miteinander stehen, kommt die Idee auf, es doch mal miteinander zu versuchen. Hauptsächlich über E-Mails und selbstgebrannte CDs tauschen sie ihre ersten gemeinsamen Gehversuche aus. Mit einem Drummer verziehen sie sich 2001 in Kalifornien in ein Studio, zwei EPs sind die Früchte der Arbeit. Es folgen Touren mit Thursday, Rival Schools und Alkaline Trio, sowohl in den USA als auch in Deutschland. Ihre "Even Stranger"-EP bringt Solea 2003 einen unverhofften Erfolg in Japan, natürlich lassen sie sich nicht lange bitten und beglücken auch das Land der aufgehenden Sonne live. Mittlerweile ist Joe Orlando etatmäßiger Bassist der Gruppe, zusammen mit ihm und Garrett Ray als Drummer gehen Solea nach der Fernost-Tour ins Studio, um ihren ersten Longplayer aufzunehmen. Nach den Sessions zum selbstbetitelten Debüt-Album steigt Ray auch schon wieder aus, Scott McPherson (Ex-Sensefield, Elliott Smith) übernimmt die Sticks. Das Album erscheint im September 2004 und klingt dann doch mehr nach West- als nach Ostküste. Zwischen 2004 und 2006 nimmt die Band ihr drittes Album "Finally We Are Nowhere" auf, das sie Ende 2006 in den USA veröffentlicht. Im Februar 2007 betreten die Jungs den Flieger Richtung Asien und beglücken japanische und chinesische Fans mit Livauftritten. Solea müssen einen engen Draht zu den Wettergöttern haben. Da hatte ich schon beim ersten Durchhören ihres selbstbetitelten Neuwerks bedauert, dass der Sommer bereits vorüber schien, denn "Solea" ist der Sommer in Ton. Und nun kommt, pünktlich zum Veröffentlichungstermin, die Sonne noch mal zurück und beschert uns heiße Tage im Park mit Solea und viel Zitroneneis. So weit, so gut. Doch schon die erste Nummer macht stutzig. "Apotheke"? Das klingt nach Husten, Schnupfen, Heiserkeit und den beiden nervigen Zwillingen aus der Werbung. Harr; harr, ausgetrickst, sagen sich Solea und hauen in die Saiten, dass die Sonne aus dem Verstärker strahlt. Mit "Apotheke" verschreiben Solea Antidepressiva in hoher Dosierung. So großartig das Album beginnt, hier haben wir leider schon den Gipfel passiert. Schon "Mercy Was Here", ein gefälliger, Kalifornien huldigender Schunkler erweist sich als nur noch dreiviertel so interessant. Hier offenbart sich, was bei Solea der Knackpunkt ist: die stark gefühlsbetonten (ja, ich meine das böse E-Wort) Uptempo-Nummern funktionieren wirklich prima - "I'm Waiting" oder auch das forsch rockende "Frankie Machine" belegen dies. Aber die Schmachtstücke hätten sie sich sparen können. "Make It Last" transportiert wenigstens noch ein bisschen Stimmung, aber "The Last Word" gerät zu beliebig und zu lang, trotz der Positionierung am Ende bleibt wenig davon hängen. Die halbe Ballade "Where You Belong" besticht dagegen durch eindringlichen Chorus und eine gehörige Portion Wärme. Auch in "So Far Gone" treiben sich die Westküstler beim Refrain in höhere Leistungsklassen, sie wissen offensichtlich, wie man Ohrwürmer macht. Kein Wunder, wenn man sich die Meriten einiger Mitglieder ansieht. Namen wie Texas Is The Reason oder Samian stehen im Alternative-Bereich bereits seit längerem für Qualität. Wäre nach dem schwer nach Achtziger klingendem "Shuffle" (das soll nicht abschrecken - der Song kann einiges!) und dem Tanzbein treibenden "Leaving Today" Schluss, "Solea" wäre der spätsommerliche Sonnenschein in jeder CD-Sammlung. Aber vielleicht steckt ja auch hinter besagten "Make It Last" und "The Last Word" der Pakt mit den Wettergöttern, und Solea bereiten uns darauf vor, dass selbst der goldenste Sommer einmal vorbei gehen muss. Komm ruhig, Herbst! Discography: 2004 - Solea 2003 - Even stranger 2002 - S/T Official Website: solea.org Hamburg Records: Online Shop |